“Nur wer schlägt, ist STARK

Sie prügeln, stehlen und schwänzen. Sieben Schülerinnen ziehen als MÄDCHENGANG “THE QUEENS” durch Berlin. Für die Töchter von Türken und Arabern sind es vor allem Fluchten aus ihrer Kultur

Einkaufspassagen lieben sie. Da flanieren sie und rennen, kreischen und singen, kaufen wenig, klauen selten. Schlampe und Fotze und Hurentochter, das geht ihnen leicht von den Lippen. Wenn sie sich untereinander so rufen, ist es Spaß. Wenn sie Fremde beschimpfen, Provokation. Gleichaltrige antworten besser nicht, sonst werden sie am Ende “totgeschlagen”. Das sagen die Mädchen zum Prügeln.

Man findet sie in Berlin am Potsdamer Platz oder beim Gesundbrunnencenter im Wedding oder in den Gropiuspassagen, Neukölln. Hier ist die Stadt gesichtslos und warm zu jeder Jahreszeit. Hier tragen sie ihr neuestes Make-up zur Schau, die 20-Euro-Kopien großer Popstar- Mode, ihre dunkelblond gesträhnten Haarfluten, deren Wellen sie mit Wachs zu glätten suchen, so, wie es die Latinas und Afroamerikanerinnen im Musikkanal tun. Jennifer Lopez oder Lil` Kim. Die finden sie toll.

Man sieht die Mädchen, hört sie vor allem an der Turmstraße, auf dem Rückzug aus den Einkaufstempeln ins arme Moabit, Umstieg von UBahn zu Bus. Eine Fahrt mit ihnen auf dem 227er Bus raubt dir die Nerven. Sie schreien und quatschen jeden an. Sie vergessen im Winter, Jacken über die zu knappen Shirts zu ziehen, weil man in einem Alter nicht zu frieren scheint, in dem Vorsicht öde ist und Brüste noch nicht lange an einem dran sind.

AM 2. APRIL WAREN SIE der Berliner Polizei eine Mitteilung wert. Die erzählte dürr etwas beinahe Alltägliches: dass am Vortag sieben Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren zwei Schülerinnen verprügelt und ausgeraubt hätten. Das passiert in Neukölln, Moabit und Kreuzberg oft. Nur trug sich der Fall am Potsdamer Platz zu, strahlendes Neu-Berlin, die Opfer waren Hamburger Schulausflügler, die Täterinnen Mädchen türkischer und arabischer Herkunft. Und man konnte sie gleich schnappen. Sie behaupteten, eine Gang zu sein. Sie hießen die “Queens”, sagten sie der Polizei.

Das war nicht alltäglich. Die Probleme Berlins hatten sich in die Attraktionen Berlins verirrt. Und sie hatten einen Namen bekommen. Jetzt sind die Probleme wieder, wo sie herkamen, in Neukölln, Moabit, Schöneberg. Dort wohnen die Queens.

Sie sind Mädchen, die andere Kinder schlagen, nicht nur mal, sondern immer wieder. Sie ziehen ihnen Handys ab, um sie wegzuschmeißen. Obwohl, Schino hat schon mal eins weiterverkauft, “ein 8310”, haucht sie. Ein Nokia, das 100 Euro gab. Das hat ihr eine Anzeige wegen Raubes eingebracht, noch eine mehr. In Läden stehlen sie fast gar nichts mehr, sagen sie, höchstens mal zum Spaß, Lipgloss vielleicht. Lipgloss ist wichtig, ständig malen sie sich frischen auf die Münder. Sie müssten nichts klauen, sagen sie, deshalb behielten sie fremde Sachen auch nicht. “Ist doch eklig, gebrauchtes Zeug”, sagt Rojo angewidert. Sie bekommen Taschengeld, und nicht wenig. Dilara sagt, es seien bei ihr 20 Euro pro Woche. Das ist nicht schlecht für eine 15-Jährige, die im Frühjahr von der Schule geflogen ist. Sie hatte geschwänzt, wochenlang, vor allem aber, “stellte sie eine Gefahr für die Mitschüler dar”, sagt ihr ehemaliger Klassenlehrer. Mehr will er nicht erzählen, “aus Gründen des Datenschutzes”. Wie will man auch erklären, dass eine Realschülerin, achte Klasse, zuschlug und ihm völlig entglitten ist?

Sie sind sieben hübsche, vulgär aufgemachte Töchter von Kurden, Türken, Arabern, die in Quartieren mit hohem Ausländeranteil leben, mit vielen Kopftuchfrauen auf der Straße und minderjährigen Müttern; mit Cafes, in denen nur Männer hocken bei Brettspiel und Tee, wo alles Deutsche fremd geblieben ist.

Die Queens verziehen sich darum lieber in die Weiten der Stadt. Sie nennen das Spazierengehen. Es sind ihre Fluchten aus einer Kultur, der sie gleichermaßen verhaftet wie überdrüssig sind. Bis in die Nacht streunen sie umher, jedenfalls jene, die gar nicht mehr in der Schule auftauchen. Wie Schino und Dilara. Die schlafen lieber aus.

Rojo und Schevo aber, die Schwestern, schwänzen nicht. Und jeden Abend, spätestens halb sieben, verwandeln sie sich wieder in brave Töchter, die ihren kurdischen Vater fürchten. Rojo, die 15-Jährige, schaut ständig auf die Uhr. Und wenn das Handy von Schevo, 16, klingelt, schreit sie nervös: “Mal alle ruhig und Musik aus, schnell.” Fünf krakeelende Freundinnen verstummen prompt, die betäubenden Bässe von Radio Kiss FM werden abgewürgt. Und das bloß, weil Schevos Mutter am Apparat sein und fragen könnte, ob sie schon auf dem Weg nach Hause sind.

UM HALB SIEBEN IST DIE FREIHEIT verbraucht, die drei, vier Stunden zwischen Ganztagsschule und Abendbrot. Sie eilen nach Hause und tauchen wieder ein in ihre andere Welt, in die sie geboren wurden, wo es kurdisches Essen gibt und Kurdisch gesprochen wird, wo der Vater das Sagen hat. Diese Welt hat mit der Welt draußen wenig zu tun. Draußen hat die Schülerin Schevo an die 30 Anzeigen gesammelt. Wie viele es genau sind, weiß sie nicht, weshalb sie aktenkundig ist, schon: “Raub, Beleidigung, Diebstahl, Körperverletzung.”

Schevo, ein kleiner, dünner Teenager mit schwarzem halblangem Haar und kaltem Schalk in braunen Augen, erzählt das nicht stolz und nicht bedrückt. “Kinder totschlagen” mag nicht richtig sein, aber wichtig. “Dann fühlen wir uns stark”, sagt Shevo. Monoton-heiser hackt sie die Sätze, sodass es manchmal klingt wie Verse aus einem Rap. “Wenn du nicht schlägst, dann schlagen andere dich. Dann bist du der Schwache und der andere der Starke. Und das ist schlecht.” Schevo hat Ehrgeiz. Sie will den erweiterten Hauptschulabschluss schaffen und Erzieherin werden. Das hat sie auch der Polizei erzählt. “Die haben nur gelacht.”

In den ersten Tagen nach der Prügelei vom Potsdamer Platz konnte man den Queens noch 14 andere Taten zuordnen. Denn jetzt hatten die Ermittler Fotos von Rojo und Schevo, von Dirdoo, Schino, Nona, Dilan und Dilara. Das sind ihre Spitznamen, “für stern”. Sie wollen sich schützen vor den Lehrern und Eltern, fürchten um ihren Ruf bei den Jungs. Sie flirten, natürlich, was das Zeug hält, obwohl mehr als küssen nicht drin ist. Auch Königinnen sollen als Jungfrau in die Ehe gehen. Das gebietet sechs von ihnen der Islam, einer der christlich-orthodoxe Anstand.

Sie wissen vom Glauben kaum mehr als die paar Regeln, die sie entweder befolgen müssen oder brechen dürfen. Schevo sagt, “ich darf sogar Schweinefleisch essen”. Aber vor der Ehe “poppen”, Sex haben, dürfe sie nicht. Sie würde schon wollen, sagt sie und grinst. “Aber wir können nicht, weißt du. Das ist Schande für den Vater. Jeder zeigt auf dich, Verwandte und so. Wie willst du dann heiraten?” Und Stehlen und Schlagen? “Das ist ja Scheiße bauen”, sagt Schevo, “das ist was anderes. Bloß, wenn man keine Jungfrau mehr ist, ist man eine Schlampe.”

In den Songs, die sie lieben, aber nur vage verstehen, geht es um fast nichts anderes. “Wanna sex/ wanna ride with you/ wanna pu my lips all over you”, säuselt die Männerband “112”. Und Lil` Kim stimmt ein in dieses Lied, singt was von “Queen Bitch”, von einer Schlampen- Königin. Das fanden die Mädchen gut. Und sie nannten sich Queens.

DIE WELT ZU HAUSE, am Abendbrottisch dreht sich anders als ihre Welt auf der Straße, in der Schule, in den Einkaufspassagen.

Die Familie prägt die Vorstellung der Mädchen davon, was gut und was schlecht für sie sein soll. Nur passt das mit dem Leben draußen so schwer zusammen, mit der Hip- Hop-Musik, die sie hören, mit der deutschen Sprache, in der sie fluchen, mit dem, “was die deutschen Kinder alles dürfen”. Je älter sie werden, desto mehr kommen sich die Welten ins Gehege.

“Es ist doch nicht unser Land”, hört die Berliner Streetworkerin Marina Gabel* oft, wenn sie von ihren Jungs und Mädchen wissen will, warum sie wieder etwas sinnlos zerstört haben. Fast alle, die so antworten, sind in Berlin geboren. Wie Dilan, die Jüngste der Queens. Sie sagt, “bin Kurde, klar”. Sie ist ein gewitztes, hübsches Mädchen, das schreit statt spricht. Anders als den anderen droht ihr kein Jugendarrest. Dilan hat die meisten Anzeigen gegen sich, 35 Stück. Aber sie war 13, als sie die Taten beging. Noch strafunmündig. Im Februar hat sie irgendeinem Mädchen in Berlin-Mitte die Nase gebrochen und eine Kniescheibe zertrümmert. Warum? “Weil sie gelästert hat.” Jetzt ist sie 14 geworden und auf der anderen Seite des Rechts. Sie müsste ihr Leben ändern, das sie so einfach nicht ändern kann.

Sie wohnt dort, wo die Fernsehserie “Praxis Bülowbogen” ihren Namen her hat. Aber im echten Leben sind die Straßen in diesem Viertel nicht gemütlich, und es gibt keinen Doktor, der alles richtet. Hier wohnen Gastarbeiterfamilien, ihre Nachkommen und Nachgeholten. Viele Frauen bekommen jung Kinder, so wie Dilans, Schinos und Dirdoos Mütter, die 16, 17 waren, als sie ihre ersten gebaren, gezeugt von Ehemännern, die sie sich meist nicht ausgesucht hatten.

Schinos Mutter ist jetzt 32 und zweimal geschieden. Sie lebt mit ihren beiden Töchtern von Sozialhilfe. Der Stiefvater tut Dienst in der türkischen Armee und will danach wieder zur Mutter zurück. Schino weiß nicht, ob sie sich darauf freuen soll. “Es war schön früher”, sagt sie, “wie bei einer normalen deutschen Familie, weißt du.” Aber wenn er da ist, denkt sie, “darf ich nicht mehr rauchen und so”. Vielleicht kann Schino dann auch nicht mehr mit ihrer Mutter bis sechs Uhr morgens in einer Disco in den Mai tanzen, obwohl sie schwänzt.

Sie möchte aufhören, “echt, mit allem”, dem Stehlen und Schlagen. Ein Therapeut des Jugendamts hatte ihr angeboten, in eine betreute Wohngemeinschaft zu ziehen. Die Mutter hätte eingewilligt. Aber der Stiefvater verbot es, per Telefon aus der Türkei. Er sagte, das sei schlecht für das Ansehen.

Die Angst vor Schande wiegt schwerer als Schinos Zukunft.

DILANS ELTERN VERSUCHEN, HILFLOS, beide Welten zu verbinden. Sie erfüllen ihrer Tochter weiter jeden Wunsch, egal, was sie anstellt, kaufen ihr ein zweites Paar Turnschuhe im Monat, weil sie das will: Nike NT für 119,95 Euro. Ihre Freundinnen finden das verrückt und Dilan auch. Warum machen ihre Eltern das? “Weil sie Angst haben, dass ich abhaue.”

Psychologen sagen, die natürliche Autorität türkischer und arabischer Eltern schwinde, darum versuchten sie, sich eine künstliche zu erkaufen. Familienehre, Gehorsam und Jungfräulichkeit gegen Klamotten, Schminke und Handys.

Es ist für die Mädchen normal, dass ihre Mütter und Väter die Sprache des Landes, das sie sich zum Leben ausgesucht haben, schlecht oder gar nicht beherrschen. Wie Dilans Eltern. Sie besitzen das kleine Geschäft dicht bei ihrer Wohnung. Es gibt Limonaden, Chips und Süßigkeiten. Ein paar Stühle stehen darin, Frauen sitzen und tratschen, während die Kinder und Enkel ihnen um die Beine krabbeln. Ein Bild des Friedens. Und des Unglücks von morgen: Keiner spricht Deutsch, auch Dilans Eltern nicht, nach Jahrzehnten in Berlin. “Scheiße Tochter”, ist alles, was der Vater über sein Kind hervorstößt, ein großer Mann an der Schwelle zum Alter, grau der Anzug wie das Haar. Aber Dilan sagt, eigentlich liebe er sie, sie sei ihm ähnlich. Er schreie auch immer, statt zu reden. Dilan grinst. Sie trägt weiße Pumphosen, auf deren Hintern hellblau “Spicy” steht. Ihre Mutter trägt ein langes Kittelkleid und hat lose ein geblümtes Tuch um den Kopf geschlungen.

Dilan ist das mittlere von zehn Geschwistern, der älteste Bruder ist Anfang 30, der jüngste fünf, ein 21- jähriger sitzt im Gefängnis, “wegen Körperverletzung oder so”. Dilan weiß es nicht genau, nur, dass er demnächst freikommt und sich in ihr Leben einmischen könnte. Brüder, Väter und Onkel herrschen über die Queens, auch wenn die sich wild und frei geben. Die Mädchen halten ihre glimmenden Kippen hinter die Rücken, sobald sie einen Verwandten sehen. Wenn Abdul*, Schinos schmächtiger Freund, ihr etwas verbietet, hört sie auf ihn. Abdul ist 17. Er hat einen Realschulabschluss und würde gern Autos reparieren. Aber er fand bisher keine Lehrstelle. Da hat er etwas anderes mit Autos gemacht: Er hat sie geknackt. Die Polizei hat es nicht gemerkt, aber Abduls Vater. Er schickte den Sohn für sieben Wochen zu Verwandten in die Türkei, zum “hart Arbeiten und so”.

IN DER TÜRKEI sollen die Schäden aus Deutschland behoben werden. Sozialarbeiter und Lehrer kennen das: Eltern wie die von Dilan oder Abdul suchen die Schuld für das, was schief läuft, beim Staat und der Schule, nur nicht bei sich. “Sie geben die Verantwortung einfach ab”, sagt ein türkischer Pädagoge, der seit 30 Jahren Berliner Schulen betreut und anonym bleiben möchte.

Ralf Schiweck, Leiter der Waldenburg-Hauptschule in Berlin- Schöneberg, erzählt von einer Libanesin, die vergangenes Jahr gut die Hälfte der Unterrichtszeit fehlte. Sie hatte sich über ein Jahr lang auf ihre Hochzeit vorbereitet. Kaum war sie 15, wurde sie mit einem frisch eingereisten Landsmann verheiratet. Soweit die Lehrer wissen, will das Paar schnell ein Kind. “Wenn wir keine Schulpflicht hätten, würden viel mehr Kinder fernbleiben”, sagt Schiweck. Ein Jahr lang hat er den Vater eines arabischen Schülers sprechen wollen, weil es Ärger gab. Vergebens. Erst als der Junge in der Schule einmal den Tisch abwischen musste, “stand sein Vater eine Stunde später auf der Matte”. Der Mann war außer sich: Warum müsse sein Sohn Drecksarbeit verrichten?

Die Rollen in der anderen Welt sind verteilt, von klein auf. Besonders den Mädchen bereitet das Erwachsenwerden Probleme. Lehrerin Karin Giera kann nach Volksgruppen ordnen, welche die größten Menstruationsschmerzen haben. Letztens fiel ihr eine Kosovoalbanerin in Ohnmacht, so sehr ängstigte die Schülerin das, was in ihr vor sich ging. Sie war völlig verkrampft. Nach beruhigenden Worten und Streicheln über ihre Wangen schlief das Mädchen ein, “wie erlöst”, sagt Giera. “Die kennen ihre Körper nicht.”

Die Töchter der muslimischen Unterschicht sind es vor allem, die den Konflikt der Kulturen in sich austragen. Das macht sie zunehmend aggressiv, gegen andere – dann schlagen sie zu – und gegen sich. Lehrer und Streetworker in Berlins Ausländervierteln beobachten, dass erschreckend viele sich die Hände und Arme ritzen. Und noch viel mehr 13-, 14-Jährige verlieren abrupt an Gewicht und wirken überdreht. Auch Schevo, Dilara und Rojo plaudern spöttisch vom Kotzen nach dem Essen. Sie lassen offen, ob sie es tun oder nicht. Andere panzern sich ein in Fett, so wie Dirdoo, 16, die Große, Schwere unter ihnen, die wunderbar singen kann und eisig gucken. Sie sagt, fast stolz: “Ich war sogar schon mal in der Psychiatrie.”

Wie bei Dilara in Schöneberg gehen die Helfer des Jugendamts bei Dirdoos Familie in Moabit ein und aus. Wie Dilaras Vater ist Dirdoos Vater alleinerziehend. Wie Dilara redet sie darüber nicht, als sei es etwas, dessen man sich schämen müsse. Königinnen sind doch stark. Dilaras Vater sagt, es sei schlimm gewesen mit seiner Frau. Eines Tages sei sie mit dem Messer auf ihn losgegangen. Danach hätten die Behörden sie der Stadt verwiesen.

Der Verhaltenskodex, den die Eltern aus der alten Heimat importiert haben, taugt auf Dauer nicht für ein Leben im Westen. Ihre neue Rolle suchen die Mädchen noch, zwischen den Welten. Sie gebärden sich sexy und obszön wie die großen Ladys schwarzer Popmusik – und würden nie einer Gleichaltrigen, die Kopftuch trägt, etwas antun. Das, wissen sie, gehört sich nicht. Vieles andere wissen sie nicht. Die Mädchen reden von “Gericht kriegen”, wenn sie einen Prozess meinen, und von “Gespräch mit Verteidiger”, wenn sie bei der Jugendgerichtshilfe saßen. In Dilaras schönen Augen steht Angst, als sie von ihrem ersten Besuch dort erzählt. Bis zu vier Wochen könne sie in den Jugendarrest kommen, habe der Mann gesagt. “Aber einsperren, deswegen?”, fragt sie. “Das machen die doch nicht, oder?”

DIE POLIZEI hat ihren Bericht geschrieben. Gemeinschaftlicher Raub nennt sich die Tat vom Potsdamer Platz. Das Papier liegt bei der Jugendgerichtshilfe, und eine Staatsanwältin ermittelt. Die Mühle mahlt. Wenn sie Pech haben, droht den Queens Jugendarrest. Wenn sie Glück haben, reicht den Behörden, dass sie Besserung geloben und nicht mehr schwänzen.

Dilans Mutter, besorgt um den Leumund der Familie, hat das andere Leben ihrer Tochter lange geleugnet. Sie hat davon gewusst, natürlich, es kamen Briefe von Ämtern, die ihre Söhne übersetzen mussten. Aber wenn andere Mütter erbost anriefen, Kurden wie sie, und sich beschwerten über Dilan, sagte sie immer, ihr Kind mache so etwas nicht, gelogen sei das. Sie sollten besser auf ihre eigenen Bälger achten. Nun, da die Taten nicht mehr zu vertuschen sind, jeder im Kiez davon weiß, ein Anwalt die Sache mit dem kaputten Knie regelt, erwägt die Frau eine andere Lösung. In zwei Jahren, sagte sie zu Schinos Mutter am Telefon, werde ihre Tochter sowieso verheiratet. Dann sei sie weg, raus aus dem Haus, und dann habe man nichts mehr mit ihr zu tun.

Sie ziehen HANDYS ab und schmeißen sie weg: “Ist doch eklig, gebrauchtes Zeug”, sagt Rojo

Auch kleine Königinnen sollen als JUNGFRAU in die Ehe gehen. Das gebietet der Islam

Ständiger Zwiespalt zwischen den Welten: Sex dürfen sie nicht haben, aber bis sechs Uhr morgens in die Disco

Auch wenn sie sich wild und frei geben – Brüder, Väter und Onkel HERRSCHEN über sie

Für den stern ließen sich die Queens nur verkleidet fotografieren. Sie fürchten die Polizei und ihre Lehrer – mehr aber um ihren Ruf bei den Jungs

Fotonachweis: ALI KEPENEK

Erscheinungsdatum
23.10.2003
Verlag
Stern


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AUSGEZEICHNET MIT DEM DEUTSCHEN FOTOBUCHPREIS 2013 IN SILBER:
Der Tod kommt später,
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Autoren-Akquise und Redaktion eines Bildbands des Fotografen Jörg Gläscher zur Bundeswehr. Mit Texten von Kathrin Schmidt, Jochen Missfeldt, Ingo Schulze, Tanja Dückers, Wolfgang Prosinger und hier zu haben: http://www.firsturl.de/YJK5AfO





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